AG Case Management

Case Management hat in den letzten Jahren auch in Österreich einen Aufschwung in Form einer breiten Anwendung erfahren. Dabei ist jedoch festzustellen, dass der Terminus in Gesetzen und bundesweiten Programmen verwendet wird, ohne dass näher ausgeführt wird, was unter Case Management zu verstehen sei.

Case Management

Im Fachdiskurs werden mit dem Case Management-Konzept Vorstellungen von einer koordinierten Unterstützungstätigkeit verbunden, die mit entsprechenden intra- und interorganisationellen Anpassungen einhergehen. Die für wirksames Case Management erforderlichen organisatorischen Rahmenbedingungen sind in Österreich allerdings kaum gewährleistet.

Social Work Case Management

Für die Soziale Arbeit ist Case Management als Verfahren und Organisationskonzept interssant: Als Verfahren, weil es einer bestimmten Choreografie folgt und Vorgaben hat; als Organisationskonzept, weil der Unterstützungsbedarf quer zu sektorialisierten Formen der Leistungserbringung steht und die Organisationen auf eine besondere Art herausfordern. Immerhin werden sie zur Kooperation verpflichtet. Social Work Case Management ist für uns aus vielen Gründen besonders anregend und inspirierend. Es wurde in den USA von unseren Kolleg*innen entwickelt (NASW) und rückt die Person mit Unterstützungsbedarf ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Der sozialarbeiterische Anspruch auf eine ganzheitliche Beurteilung der Lebenssituation der KlientInnen, auf Hilfen, die sich an den Bedürfnissen, Stärken, Ressourcen, lebensweltlichen Bedingungen und Zielen orientieren, findet sich in diesem Case Management Konzept wieder.

Social Work Case Management ist in unserem Verständnis ein Case Management, das nicht in erster Linie einem koordinierten Vorgehen einzelner Organisationen dient, sondern das die Logik individueller Notlagen zum zentralen Kriterium der Organisation von Hilfen macht. Dass damit der Mitteleinsatz effizienter wird, ist ein durchaus erwünschter Nebeneffekt, nicht aber das zentrale Kriterium für die Beurteilung des Erfolgs.

Social Work Case Management ist ein Konzept, das nicht isoliert als Methodik der Hilfe im Einzelfall funktionieren kann, sondern das die Schaffung institutioneller und rechtlicher Rahmenbedingungen voraussetzt.

Kontakt

Die Verantwortlichen der AG

FH-Prof.in DSAin Mag.a Karin Goger, MSc MSc
Christian Tordy, MAS MSc
Claus-Clemens Lichtenthäler, BEd. MA

E-Mail: case-management@ogsa.at

Termine 2021

23.03.2021: AG-Symposien im Rahmen der ogsaTAGUNG 2021 (Online-Veranstaltung)

  • 10:00-12:30 Uhr: AG-Symposium “Über fachliche Kooperationen der AG und das Gelingen im Social Work Case Management.” Workshop: “Fachliche Kooperationen”
  • 13:30-15:30 Uhr: AG-Symposium “Über fachliche Kooperationen der AG und das Gelingen im Social Work Case Management – Workshop: Zum Gelingen im Case Management, ein Buchprojekt”

23.04.2021: Vorträge im Rahmen der Trinationalen Tagung der DGSA, OGSA, SGSA

  • Begegnung, um Beziehung zu organisieren (Panel 6)
  • Standards für Social Work Case Management (Panel 18)

17.06.2021: Virtueller Austausch AG Case Management

25.06.2021, 10-12 Uhr: Praxis-Circle (online)

22.09.2021, 10-12 Uhr: Praxis-Circle (online)

05.10.2021, 13-17 Uhr: AG-Treffen (online)

21.11.2021: Praxis-Circle (online)

Unsere Arbeit

Die AG Case Management widmet sich seit 2016 der Sensibilisierung für fachliche und professionelle Prinzipien und Positionen im Case Management. Als Zusammenschluss von Case Management-Anwender*innen und Case Manager*innen, Leiter*innen von CM-Organisationen, Lehrenden und Forschenden fördern wir die theoretische Weiterentwicklung des Social Work Case Managements und die Reflexion gelebter Praxen.

Die AG Case Management der ogsa steht allen offen, die

  • am fachlichen Diskurs des Case Managements interessiert sind;
  • an der Weiterentwicklung von fachlichen Standards des Case Managements in der Tradition der Sozialen Arbeit teilhaben wollen;
  • für die Sensibilisierung von Entscheidungsträger*innen für professionelle und fachliche Positionen eintreten wollen;
  • neugierig auf die Arbeit innerhalb der AG sind.

Seit der Veröffentlichung des Positionspapiers zu Standards für ein Social Work Case Management arbeiten wir an unterschiedlichen Vorhaben und Projekten. Die Ausdifferenzierung unserer Tätigkeiten hat uns veranlasst, bestehende Formen unserer Arbeitsorganisation zu überdenken und neue Formate der Kooperation zu erproben.

Ab 2021 werden wir uns in agilen Circles/Kreisen organisieren. Wir erwarten uns davon folgende Vorteile und Chancen:

  • Circles bieten flexible Formate für die Arbeit an aktuellen Interessen und Bedarfen.
  • Eine themenfokussierte Auseinandersetzung kann gewährleistet werden.
  • Die Intensität des Engagements der Mitwirkenden kann individuell und/oder im Zeitverlauf variieren. Personen können an so vielen Circles teilnehmen, wie sie wollen.
  • Ein projektbezogenes Engagement an Circles ist möglich, ohne sich zu allen Agenden der AG verpflichten zu müssen.
  • Circles bieten die Möglichkeit sich Themen sowohl zeitlich befristet als auch langfristig zu widmen.
  • Circles bieten einen Rahmen für interdisziplinäre Diskurse.

Die Circles arbeiten selbstständig an ihren Vorhaben und Zielen und geben sich eine Struktur, um ihren Zweck bestmöglich zu erfüllen. Circles entsenden eine*n Sprecher*in, der*die für die Anbindung an die AG in ihrer Gesamtheit sorgt. Der*die Sprecher*in informiert über aktuelle Diskurse, (Teil)Ergebnisse, Mitwirkende und ist Ansprechpartner*in für Interessent*innen am Circle. Der circle-übergreifende Austausch erfolgt in AG-Treffen bzw. Klausuren. Diese finden quartalsweise statt. Zwei Mal pro Jahr gibt es ganztägige Treffen, zwei Mal halbtägige. Bei diesen Treffen können und sollen neue Circles entstehen. Jede Person, die an der AG mitwirkt, kann eine Idee für einen Circle einbringen. Entspricht die Idee dem inhaltlichen Selbstverständnis und Zweck der AG und finden sich interessierte Person für die Idee, ist der Circle gegründet.

Folgende Circles haben sich bereits entwickelt bzw. formieren sich aktuell:

  • Buchprojekt
  • Arbeitskreis mit ÖGCC
  • Vernetzung mit Fachkräften aus der Pflege
  • Vorbereitung von Panels bei der trinationalen Tagung
  • Vorbereitung von Panels bei der ogsaTagung
  • Koordinationskreis

Weitere Circles sind ab Frühjahr/Sommer 2021 angedacht.

An den bestehenden Circles wirken folgende Personen aus der Arbeitsgemeinschaft mit:

  • Koordination: Karin Goger, Christian Tordy, Clemens Lichtenthäler
  • Buchprojekt: Case Management in der Sozialen Arbeit. Über das Gelingen in komplexen Fällen. Berichte aus Praxis und Forschung.
    • Redaktionsteam: Karin Goger, Christian Tordy, Martin Fath, Clemens Lichtenthäler, Manuela Meusburger, Sabine Platzer
  • Vernetzung AG Social Work CM und Fachkräfte aus der Pflege
    • Christian Tordy, Georg Resnik, Marlies Hartmann, Gerlinde Blemenschitz, Astrid Jakob, Clemens Lichtenthäler
  • AK AG Case Management der ogsa und ÖGCC (Österreichische Gesellschaft für Care und Case Management) zur Förderung der CM-Kompetenz auf Ebene der Organisation
    • Karin Goger, Christian Tordy, Clemens Lichtenthäler
    • [ÖGCC: Monika Wild, Renate Zingerle]
  • Panels bei der Trinationalen Tagung 2021
    • Karin Goger, Christian Tordy, Clemens Lichtenthäler
  • Panels bei der ogsaTagung 2021
    • Karin Goger, Christian Tordy, Clemens Lichtenthäler, Martin Fath

Interesse?

Für Interessent*innen an der AG und/oder den bestehenden Circles stehen die genannten Ansprechpersonen sehr gerne zur Verfügung!

Was Experten und Expertinnen zu den Standards sagen

Mit der Erstellung der ersten deutschsprachigen „Standards für Social Work Case Management“ ist es auf beeindruckende Art und Weise gelungen den sozialarbeiterischen Kern des Case Managements zu reaktivieren. Die Kolleginnen und Kollegen der OGSA haben eine wichtige Konturierung des Social Work Case Managements vorgenommen, die die Unterschiede zu den mittlerweile weit verbreiteten gesundheitswissenschaftlichen und ökonomischen verstandenen Case Managementansätzen deutlich machen. Es handelt sich ohne Zweifel um einen wichtigen Beitrag in der Diskussion zum Sozialarbeiterischen/ Social Work Case Management.

Prof. Dr. phil. Matthias Müller, Diplom-Sozialarbeiter/-Sozialpädagoge, Soziologe, Case Manager / Case-Management-Ausbildner (DGCC), zertifizierter systemisch- lösungsorientierter Coach und Supervisor (SG), Dialogischer Qualitätsentwickler (KK); Professor für Pädagogik, Sozialpädagogik und Hilfen zur Erziehung sowie Studiengangsleiter des BA Studiengangs Berufspädagogik an der Hochschule Neubrandenburg; zusammen mit Prof. Dr. Corinna Ehlers Sprecher der Fachgruppe „Case Management in der Sozialen Arbeit“ der DGCC und der DGSA

Unter der Bezeichnung Case Management wird heute vieles angepriesen, was bei genauerer Prüfung wenig mit echtem Case Management zu tun hat. Die Idee von sozialarbeiterischem Case Management ist, Hilfen verschiedener Systeme so zu koordinieren, dass sie tatsächlich den individuellen Bedürfnissen der KlientInnen entsprechen. Die Standards, die von der AG Case Management in der Österreichischen Gesellschaft für Soziale Arbeit (ogsa) ausgearbeitet wurden, fassen zusammen, wie diese Methode zum Nutzen der KlientInnen eingesetzt werden kann. Sie sind ein unverzichtbares Hilfsmittel beim Aufbau von CM-Projekten, und sie bieten eine gute Folie für Evaluation und Diskussionen über die Weiterentwicklung. Die ogsa als die fachwissenschaftliche Gesellschaft der Sozialen Arbeit legt damit ein richtungweisendes Papier für die Gestaltung von Hilfeprozessen vor, das weit über die Sozialarbeit hinaus Beachtung finden sollte.

Prof. Dr. Peter Pantucek-Eisenbacher, Sozialarbeiter, Soziologe, Supervisor, Case-Management-Ausbildner (DGCC); lehrt und forscht zu Theorie und Methodik Sozialer Arbeit; Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Soziale Arbeit (ogsa), Rektor der Bertha von Suttner Privatuniversität St. Pölten

In die vorliegenden Standards sind präzisierte Gesichtspunkte zur Arbeit mit CM eingearbeitet, die bisher teilweise in den Fachöffentlichkeiten recht unterschiedlich ausgelegt wurden. Schließlich bedanke ich mich als Praktiker des CM bei den AutorInnen für die Initiative, mit nicht zu unterschätzendem zeitlichen und organisatorischem Aufwand (endlich) entsprechende Grundlagen eines SWCM erarbeitet zu haben. Die Standards setzen neben vielen inhaltlichen Festlegungen auch einen verbindlichen ethischen Maßstab, der “in Zeiten wie diesen” nicht verloren gehen darf…

DSA Christian Tuma, Wiener Berufs Börse

Der Diskurs und die Orientierung an fachlichen Standards des Case Managements, helfen in der täglichen Arbeit, aber auch in der sicheren Positionierung im innerbetrieblichen Spannungsfeld zwischen den Unternehmenszielen und unserer fachlichen Grundhaltung.

DSA Harald Voitl, MSM: Diplomsozialarbeiter, Sozialmanager, Case Manager (ÖGCC); Verantwortlicher für das erste Pilotprojekt zur Betrieblichen Wiedereingliederung im ÖBB Konzern, Strategische Leitung und Koordination der Betrieblichen Wiedereingliederung bis Ende 2017

Publikationen der AG-Mitwirkenden

Engel-Unterberger, Christina (2019): Überlegungen zum Potenzial der Systemebene im Case Management. In: Case Management in der Sozialen Arbeit. Zeitschrift für Soziale Arbeit in Österreich, Ausgabe 4/19, 19-24.

Goger, Karin / Tordy, Christian (2019): Standards für Social Work Case Management, Positionspapier der Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Gesellschaft für Soziale Arbeit. http://www.ogsa.at/wp-content/uploads/2018/12/ogsa_Standards-f%C3%BCr-Social-Work-Case-Management.pdf

Goger, Karin / Tordy, Christian (2019): Die Implementierung von Case Management in der Kinder- und Jugendhilfe Steiermark. – Ein Artikel aus der Perspektive von OrganisationsberaterInnen. In: Ehlers, Corinna / Lehmann, Denise (Hrsg.) (2019): Implementierung und Entwicklung von Case Management. Praktische Tipps zur Umsetzung von Case Management in Humandiensten. Heidelberg: medhochzwei, 67-112.

Goger, Karin / Tordy, Christian (2018): Praxis des Case Managements in Österreich. In: Soziale Arbeit, Zeitschrift für soziale und sozialverwandte Gebiete, September-Oktober 2018, 67. Jahrgang, 373-382.

Goger, Karin (2019): Begegnung, um Beziehung zu organisieren. In: Stärkenorientiertes Case Management in der psychiatrischen Versorgung von Hard-to-reach-Klient*innen. Themenheft: ‚Klinische Sozialarbeit – Zeitschrift für psychosoziale Praxis und Forschung, 10-12.

Goger, Karin / Engel-Unterberger, Christina (2019): Die Arbeitsgemeinschaft „Case Management“ der ogsa. In: Case Management in der Sozialen Arbeit. Zeitschrift für Soziale Arbeit in Österreich, Ausgabe 4/19, 26-28.

Goger, Karin (2019): Case Management: Kooperative Hilfeplanung in der Kinder- und Jugendhilfe Steiermark. In: Case Management in der Sozialen Arbeit. Zeitschrift für Soziale Arbeit in Österreich, Ausgabe 4/19, 37-43.

Jakob, Astrid (2019): Standards für ein Social Work Case Management. In: Case Management in der Sozialen Arbeit. Zeitschrift für Soziale Arbeit in Österreich, Ausgabe 4/19, 10-12.

Lichtenthäler, Claus-Clemens / Böhm, Reinhard (2019): Case Management im ÖBB-Konzern. In: Case Management in der Sozialen Arbeit. Zeitschrift für Soziale Arbeit in Österreich, Ausgabe 4/19, 29-36.

Meusburger, Manuel (2020): Umgang mit Konflikten in der Case Management-Praxis: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung. In: Zeitschrift für Soziale Arbeit in Österreich, Ausgabe 1/20, 38-42.

Tordy, Christian (2019): Case Management: Wenn sich gute Sozialarbeit rechnet. In: Case Management in der Sozialen Arbeit. Zeitschrift für Soziale Arbeit in Österreich, Ausgabe 4/19, 13-18.

Tuma, Christian (2019): „Wos woar mei Leistung?“. In: Case Management in der Sozialen Arbeit. Zeitschrift für Soziale Arbeit in Österreich, Ausgabe 4/19, 44-47.